briefwechsel mit greenpeace.

Wir alle kennen Greenpeace. Für jene, die deren Einsatz noch nicht als heuchlerisch und tiergewaltverherrlichend erkannt haben, kann der Folgende Briefwechsel vielleicht einen Denkanstoß bieten.

GREENPEACE:

Hallo,
vielen Dank für Deine E-Mail.
Greenpeace kümmert sich um den Erhalt des Planeten als Lebensraum für alle. Die Schwerpunkte unserer Arbeit als Umweltschutzorganisation liegen in der Rettung der letzten Urwälder, im Schutz der Ozeane und des Klimas.
Greenpeace setzt sich für eine moderne, naturnahe Landwirtschaft ein, die sich an den natürlichen Kreisläufen ausrichtet und Lebensmittel ohne Gentechnik und Schadstoffe erzeugt. Greenpeace ist aber nicht grundsätzlich gegen den Verzehr von Fleisch, sondern fordert die Verbraucher auf, weniger Fleisch zu essen, um unsere natürlichen Ressourcen zu schonen. Wer Fleisch isst, sollte das bewusst und selten tun. Greenpeace rät dazu, Bio-Fleisch zu kaufen. Durch die Richtlinien für Haltung und Fütterung kann sichergestellt werden, dass die Tiere nutztiergerecht gehalten und keine Gen-Pflanzen als Futter bekommen.
Dies kann einem Menschen, der sich für Vegetarismus einsetzt, natürlich nicht genug sein. Vegetarier verzichten aber nicht aus umweltpolitischen, sondern aus ethischen Gründen auf Fleisch. Daher ist es eine sehr persönliche Entscheidung sich vegetarisch zu ernähren.
Es gibt aber Organisationen, die sich ganz speziell mit Fleischkonsum und dem Verzicht darauf beschäftigen. Wir schlagen Ihnen deshalb vor, sich mit Ihrer Frage an Organisationen zu wenden, die Experten zu diesem Thema haben:
PETA Deutschland e.V., Dieselstr. 21, 70839 Gerlingen, Tel.: 07156-178-280, Fax:07156-178-2810, E-Mail: info@peta.de, Internet: www.peta.de
Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU), Geschäftsstelle, Blumenstr. 3, 30159 Hannover, Tel.: 0511 – 363 20 50, Fax: 0511 – 363 20 07, E-Mail: info@vegetarierbund.de, Internet: www.vegetarierbund.de
Auch die Ernährungsberater der Verbraucherzentralen können Dir bei diesem Thema weiterhelfen.
Die Arche Warder kämpft für die Erhaltung von gefährdeten Haus- und Nutztierrassen. Sie will diesen alten und in vieler Hinsicht wertvollen Rassen eine dauerhafte Zukunft geben: d.h. sie züchten, bewahren und verbreiten, damit die Tiere von der Roten Liste verschwinden.
Die Tiere der alten Rassen sind insbesondere in ihrem Bestand gefährdet, weil sie keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr haben.
Die Arche ist davon überzeugt, dass man den Tieren wieder einen Marktwert verschaffen muss, wenn man sie erhalten will. Umso mehr die Verbraucher Fleisch von alten Nutztierrassen nachfragen, umso mehr werden sie wieder gezüchtet. Das Risiko des Aussterbens einer Rasse wird dann wieder geringer.
So widersprüchlich es auch klingen mag: jeder, der z.B. ein Kotelett vom Bunten Bentheimer Schwein verzehrt, trägt aktiv zur Erhaltung dieser gefährdeten Rasse bei.
Die Produktqualität von den Tieren der Arche, die das ganze Jahr auf der Weide gehalten werden, ist sehr gut. Und die Haltung der Tiere ist natürlich in keiner Weise mit der der industiellen Fleischtierhaltung zu vergleichen!
http://www.greenpeace4kids.de/themen/tierschutz/hintergruende/artikel/teil_2_der_ganz_legale_wahnsinn_tierquaelerei_als_geschaeft/
Klar, wenn Menschen keine Tiere mehr essen würden, würden weniger Tiere sterben. Es gibt jedoch sehr viele Menschen, die auf Fleisch nicht freiwillig verzichten wollen. Greenpeace ist aber keine Organisation, die Menschen zu irgendetwas zwingen will. Wir meinen, dass jeder Mensch selbst entscheiden muss, wie er oder sie sich ernährt.
Was uns aber auf jeden Fall wichtig ist: Wenn Menschen Tiere halten und töten, um sie zu essen, dann sollten sie so gehalten werden, dass sie keine unnötigen Qualen erleiden müssen. Das heißt: keine Massentierhaltung, keine Massentiertransporte, keine qualvollen Zuchtmethoden und so weiter.
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Team Information und Fördererservice / Public Service Information Team

MEINE ANTWORT:

Hallo Greenpeace,

ehrlich gesagt habe ich gar keine andere Antwort von Euch erwartet. Was solltet Ihr auch anderes schreiben? Ich werde trotzdem versuchen, darauf einzugehen.
Das Interesse, Lebensräume zu schützen (was natürlich wichtig und v.a. nützlich ist) und das Interesse, einzelne Leben zu schützen, steht in keinem Widerspruch. Irgendwie stellt Ihr es so dar, es ist aber nicht wahr. Selbst wenn z.B. eine bestimmte Tierpopulation einen Lebensraum gefährdet, gibt es andere Möglichkeiten, als deren Individuen zu ermorden, um ein Gleichgewicht wiederherzustellen. Bei Menschen würden sie doch auch nicht diese Möglichkeit in Betracht ziehen, oder? Und es lässt sich nicht abstreiten, dass hauptsächlich wir Menschen den Planeten überbevölkern und zerstören.
Es ist auch kein Widerspruch, auch wenn Sie sich auf Ökologie fokussieren, immerhin Tierrechte als Nebenaspekt Ihrer Themen zu erwähnen, so wie Sie es bei Menschenrechten schließlich auch tun. (Aber Sie sind ja auch speziesistisch, deswegen ist es für Sie wohl kein Widerspruch so zu handeln. Dazu fällt mir ein: Würden Sie Menschen auch raten, andere Menschen wenig und selten zu schlagen und zu quälen und umzubringen, als es einfach ganz sein zu lassen? Ökologische Argumente versagen da jedenfalls. Dem Klima tut’s nix Schlimmes, wenn ich einen Menschen quäle. Und eher noch etwas Gutes, wenn ich ihn umbringe.)

Des weiteren gibt es noch ein Problem: Tierhaltung ist immer umweltschädlich. Ich finde es gibt nichts Lächerlicheres, als unvegane Umweltschützer_innen und v.a. Klimaschützer_innen, da die Tierhaltung die Hauptursache der Umweltzerstörung und des Klimawandels (ich sage nur, 51%) ist. Diese Tatsache zu ignorieren und zu verschleiern, nur um eigenes Fehlverhalten nicht hinterfragen zu müssen, stellt für mich Ihre gesamte Integrität total in Frage. Die Ausflucht „weniger Fleisch“, ist eben keine, weil tierliche Lebensmittel IMMER mehr Energie verbrauchen, als produzieren und bei Pflanzen ist es IMMER genau andersrum. Es gibt also nur eine ökologisch verantwortungsvolle Ernährung. Wären wir einige Milliarden Menschen weniger, würde die Tierhaltung die Umwelt vielleicht nicht so stark belasten, trotzdem bliebe sie wie gehabt deutlich schädlicher als Ackerbau für pflanzliche Nahrung.
Übrigens ist es auch lächerlich, Verbraucher_innen dazu aufzufordern, Bio-Tiere zu quälen und zu essen, da gerade aus klimaschützerischer Sicht, Bio-Tiere belastender sind, da sie – Oh Schreck! – länger leben und damit mehr Umweltschäden in ihrem, wenn auch immer noch unwürdig kurzen, Leben produzieren. Des weiteren hat Biohaltung nichts mit „artgerecht“ zu tun, auch wenn Sie und andere Gruppen das gerne so hinstellen. Ich habe einen Biolandhof mit eigenen Augen gesehen, ich weiß wie unwürdig diese Tiere leben. Und ich habe viele Recherchenbilder gesehen. Aber selbst ein Blick in die Medien würde reichen, z.B. ist in Österreich für Biorinder die Anbindehaltung seit 1, 2 Jahren erlaubt. Empfinden Sie es als tierwürdig, so zu leben? (Sind Sie überhaupt empathiefähig oder sehen Sie Tiere nur als Rädchen im ewigen Uhrwerk der Natur, die gefälligst ihre Aufgabe zu erfüllen haben? Zum einen müssten Sie dieses Konzept dann auch auf Menschen anwenden und der Mensch würde von allen Tieren damit am schlechtesten wegkommen und zum anderen müssten Sie dann sowieso gegen jegliche Tierhaltung sein, da domestizierte Tiere in keinem natürlichen Lebensraum „funktionieren“.) Mal gänzlich davon abgesehen, dass es keine artgerechte Haltung geben kann, so wie es keine humane Sklaverei gibt.
Obwohl Sie ja noch ein besseres Wort gefunden haben: „nutztiergerecht“. Das ist natürlich eine interessante Ausrede. Da „Nutz“tiere niemals frei sind, weil sie sonst keine „Nutz“tiere wären, wollen sie mit dem Begriff umgehen, dass Ihnen ein Mensch vorhalten könnte, dass nur die Freiheit den Bedürfnissen eines Tieres gerecht wird, oder wie?
Mich verwundert auch ein bisschen, dass Sie nur von „Fleisch“, nicht aber von anderen tierlichen Lebensmitteln sprechen, z.B. ist Käse und Milch ja NOCH umweltschädlicher als „Fleisch“ ohnehin. (Aber vielleicht liegt es an mir, weil ich in meinem ersten Schreiben nur „Fleisch“ erwähnte, das weiß ich nicht mehr genau.)
Wie oben schon erwähnt, gibt es für die Umwelt keine größere Katastrophe als Tierhaltung. Deswegen halte ich es von Ihnen als anmaßend, zu sagen, dass Veggies (die mich herzlich wenig interessieren, wie gesagt, Käse und Milch sind auch schädlich und Tierhaltung brauchen Veggies ebenso wie Omnis) keine ökologischen Interessen vertreten würden. Es ist eben KEINE persönliche Entscheidung, vegan zu leben oder nicht, da das Leiden und die Zerstörung, die mit der unveganen Lebensweise einhergehen, nicht nur den einzelnen Menschen selbst, sondern alle um ihn herum (zuvorderst sog. „Nutz“tiere) schädigen. Dadurch ist diese Entscheidung zutiefst politisch und von gesellschaftlicher Bedeutung und kein Mensch kann sagen, es sei eine genau so „persönliche“ Entscheidung wie das wählen zwischen roten und blauen Socken (beide Bio-Baumwolle und ohne Gentechnik, versteht sich ;)). Eine ethische und ökologische Lebensweise dadurch ins Lächerliche zu ziehen, ist sicher keine produktive Haltung, schützt Sie aber natürlich vor dem unangenehmen Zwang zur Selbstreflexion.

Die Organisationen, die Sie mir empfohlen haben, sind in etwa so schrecklich wie Ihre eigene, wenn auch auf einer anderen Ebene. PeTA ist mehr als bekannt für sexistische, homo- und transphobe Kampagnen, für unsensible Kommentare, für heuchlerische Werbung intellektuell überforderter A- und B-Promis, die selbst überhaupt kein Interesse an den Themen haben usw. usf.
Der Vegetarier-Bund mag da etwas besser sein, jedoch lässt allein sein Name sehr zu wünschen übrig, suggeriert er den Menschen doch, Vegetarismus sei ein ausreichender Schritt, Tierrechte zu achten. Vegetarismus befreit die Tiere nicht, er will es auch nicht, er schützt sie ja nicht einmal vor der Schlachtung.

Ernährungsberater_innen könnten mit aller Wahrscheinlichkeit nicht helfen, da es mir nicht darum geht, mich selbst zu veganisieren (warum sollte ich dafür Greenpeace anschreiben?), sondern ein Bewusstsein bei anderen Menschen zu wecken. Ich bin bereits Veganerin, sonst würde ich mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

Und nun zur Arche Warder: Sie wollen wohl vor allem ein ansehnliches Geschäft auf Kosten anderer. Aber natürlich spielt auch etwas privater Sadismus mithinein, denn es gibt sicher gewinnbringendere Geschäfte als irgendwelche Tierrassen, bei denen es sowieso gut wäre, sie würden nicht mehr die Erde bevölkern. Was wäre so schlimm daran, wenn die Tiere nicht nur von der Roten Liste, sondern gänzlich verschwänden? Es gibt keinen Grund, um die Rasse zu trauern, nur Gründe, um das Individuum zu betrauern, dass wegen Ihren selbstsüchtigen Interessen nach wenigen Monaten in den gewaltsamen Tod geschickt wird. Ein „Rasseschutzprogramm“, welches nur darauf ausgerichtet ist, Tiere zum Ermorden zu produzieren, klingt nicht wirklich sinnvoll, oder? Wen schützen Sie damit? Allein Ihre Interessen am Tierkonsum, nehme ich an.
Ist es Ihnen nicht unangenehm, sich so verrenken zu müssen? Auf der verzweifelten Suche, nach einem irgendwie zu rechtfertigenden Tierkonsum, greifen Sie auf „Artenschutzprojekte“ zurück, die nicht einmal einem Biotop zu Gute kommen, denn wie gesagt: Es sind und bleiben domestizierte Tiere, die der Umwelt keinerlei Nutzen, sondern nur Schäden bringen. Wenn Sie schon nicht das Leiden der Tiere anerkennen, warum dann nicht wenigstens das?

So widersprüchlich es klingen mag: Jeder, der eine fruchtbare Frau vergewaltigt, trägt aktiv zur Erhaltung der Menschheit bei. WOW, was für eine Logik! Möchten Sie das nicht auch in Ihre Flyer aufnehmen?

Dass Sie die Menschen zu nichts zwingen wollen, ist mir klar. Wenn Sie Tierrechte nicht verschweigen, sondern erwähnen würden, würden Sie aber auch ihre Leser_innen zu nichts zwingen. Im Gegenteil. Sie würden Sie in die Lage versetzen, über ausreichend Ausklärung zu verfügen, über erstmal in die Situation zu kommen, wo Sie Einsicht und Überblick über Tierhaltung gewinnen. Tiere einfach als Ressource wie jede andere zu betrachten, ist bestimmt nicht die Ausgangslage, die einen Menschen dazu befähigt, mitfühlend, aber auch unter Einbeziehung rationaler Gründe zu entscheiden. Und wirklich ALLES spricht für den Veganismus.

Dass Sie das so geflissentlich verschweigen, liegt wohl einzig und allein daran, dass Sie Ihre treuen Kund_innen nicht vergraulen wollen, die zwar gerne Mal Gutmensch spielen und Ihnen eine Spende schicken und Ökostrom beziehen, die aber nicht auf des „Luxus“ verzichten wollen, 51% zum Klimawandel beizutragen.
Meinen Sie übrigens auch, dass alle selbst entscheiden können, wie inhuman Sie andere Menschen behandeln? Wenn nicht, woran machen Sie den Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren fest, und was soll an diesem Unterschied moralisch relevant sein?

Das, was Ihnen zuletzt wichtig ist, ist weder aufrichtig noch an sich richtig. Natürlich ist Massentierhaltung nicht so ästhetisch wie die meisten Biohöfe. Trotzdem gibt es bei beiden die größte Gewalttat, die keine Steigerung kennt: Der Mord im Schlachthof. Eine Gewalttat, die weder Rechtfertigung noch Wiedergutmachung kennt. Es mag für das einzelne Tier schon einen gewissen Unterschied machen, ob es vor dem gewaltsamen Tod mehr oder weniger gequält wird. Aber das macht es für Menschen, die vor einem Mord, mehr oder weniger gequält werden auch. Trotzdem sind wir uns doch beide darüber einig, dass Mord (für Sie zumindestens am Menschen) generell verwerflich ist, oder?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Übrigens ist es auch heuchlerisch von Ihnen, sich als „gewaltfrei“ zu bezeichnen, wo Sie sich doch aktiv für Gewalt aussprechen.

MfG
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