„menschenfleisch, nein danke!“

Unvegane Formen der Genuss- und Lustfeindlichkeit

Immer wieder wird Veganer_innen (v.a. aus einer ganz bestimmten Richtung) Genuss- und Lustfeindlichkeit vorgeworfen. Daran verwunderlich ist eigentlich nur, dass es tausende unvegane Formen der Genuss- und Lustfeindlichkeit gibt, mit diesen wird seltsamer Weise nicht so radikal abgerechnet wie mit der veganen, wobei diese jedenfalls noch die vernünftigste ist.
Zweifelsohne muss es als genussfeindlich gelten, generellen Verzicht auf Menschenfleisch (1) zu üben, ein Verzicht, dem sich fast alle Menschen dieses Planeten zu beugen scheinen. Da Menschen „aus einer ganz bestimmten Richtung“ es dann auch noch ablehnen, Begründungen für dieses Verhalten aus Moral- und Justizsystemen zu ziehen, bliebe die Frage offen, wie sie dieses Verhalten rechtfertigen. Biologie? (Instinkt, die eigene Art zu erhalten, nicht zu fressen?) Gewohnheit? (Von Kindstagen an mit den Teilen anderer Tiere gefüttert und deshalb daran gewöhnt und etwas verwöhnt.) Bla? (Geht Dich nix an, ich mach, was ich will.) Verfügbarkeit? (Ein Zustand, an dem sich zweifellos etwas ändern könne, außerdem gebe ich die Überbevölkerung zu bedenken.) Alles nicht sehr überzeugend. Manche_r mag noch mit religiösen Vorstellungen daher kommen, aber es ist schon seltsam, dass der_die Gött_in die Zerstörung seiner_ihrer gesamten Schöpfung locker sieht, bei der Schöpfung „Mensch“ dann aber eine große Ausnahme macht. Noch dazu hat Religion bei dem angesprochenen Menschenkreis eh keinen guten Stand (außer das Jüd_innentum, nicht aber wegen der religiösen Richtigkeit.). Bliebe noch Geschmack. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass ALLE bzw. die Mehrheit der Menschen keinen kulinarischen Genuss an Menschenfleisch findet. Noch dazu ist es ja wie mit allem anderen Fleisch auch: Die Art der Zubereitung macht’s.
Aber wenden wir uns nun einmal vom Menschenfleischverzicht ab. Wir waren gerade bei Religion. Auch hier gibt es dutzende Beispiele für unvegane Genussfeindlichkeit. Die Speisevorschriften der Jüd_innen und Moslems waren vielleicht noch vor 2000 Jahren einiger Maßen zu rechtfertigen, mittlerweile aber nicht mehr. Aber unabhängig davon, ob mensch die Vorschriften als sinnvoll oder -frei betrachtet, einfach wegen des Glaubens auf bestimmte tierliche Produkte zu verzichten, ist genussfeindlich. Nur dumm, dass es im Allgemeinen weniger gesellschaftstauglich ist, gegen die Religionsfreiheit zu hetzen, bei Gewissensfreiheit (bzgl. Veganer_innen) sieht es da schon anders aus. Da platzt selbst dem tolerantesten Omni schon mal der Kragen. Sämtliche tierlichen Fleischarten vom Teller wegzureduzieren, ist dann eben was anderes, als mal ein, zwei Tierarten zu verschonen.(2) Lustfeindlich sind Religionen ja sowieso.
Eine weitere Form der unveganen Genussfeindlichkeit ist die instincto (und vegetarische) Rohkost. Wenn auch seltener vertreten als z. B. Forderungen nach halal und koscheren Tierprodukten, so lässt sich der BARF-Trend für Menschen doch nicht verschweigen. Angeblich steht Gesundheit hier im Vordergrund, aber wahrscheinlich ist für den_die Durchschnittsbürger_in dennoch unverständlich, warum mensch nicht auch mit einem gut durchgebratenen Steak gesund sein kann. (Dieses Argument lassen sie ja schon bei Veganer_innen nicht gelten, obwohl es ja unbestreitbar ist.) Die Deutschen werden im Allgemeinen sehr aggressiv, wenn sie geistig schon die Bratwurst verschwinden sehen und nur noch Sauerkraut und Kartoffeln übrig bleiben. (Beides übrigens nicht Rohkostgeeignet, also auch weg damit.) Da lässt sich die Fixierung auf’s Veganer_innenmobbing wohl nur durch die Anzahl und Penetranz der Veganer_innen erklären, denn Rohkost müsste auf dem Lustfeindlichkeitsbarometer ganz oben stehen.
Gibt es weitere Formen? Diäten jeglicher Art sind zweifellos genussfeindlich, ebenso die Versessenheit auf Bioprodukte. Generell lässt sich sagen, dass jeglicher Nichtkonsum IRGENDEINES Produktes genussfeindlich ist, da damit die Masse aller zu konsumierenden Güter empfindlich und unnötig dezimiert wird. Die Lustfeindlichkeit wurde weniger berücksichtigt, jedoch reichen sich Lust- und Genussfeindlichkeit ja die Hand und scheinbar bereitet es diversen Menschen unglaubliche Lust, Tiere zu verspeisen, vor allem noch, wenn sie eigenhändig geschossen, erdrosselt, erschlagen, zerlegt worden sind. (Btw, erinnert ihr euch noch an die Gruppe Schlachtkuh bei Yahoo?)
Fazit: Auf der Genussfeindlichkeit des Veganismus wurde lange genug herumgeritten. Es wäre wohl an der Zeit, sich einigen anderen Formen zuzuwenden und wenn das geschehen ist, können wir gern mal darüber reden, wie sich die ständige Verfügbarkeit von Menschenfleisch und Menschenmilch erreichen lässt, damit endlich keine Wünsche mehr offen bleiben.

(1) Achtung, in diesem Text wird speziesistische Sprache verwendet. Grund ist die bessere Lesbarkeit und Verständlichkeit für unvegane Menschen.
(2) Wobei ich mich wirklich frage, was der Aufstand soll. Wenn ich mich als Bären-, Hunde-, und Ringenatterfleischverzichterin ausgebe, wird dies auch nicht als anstößig empfunden (hierzulande). Aber bei Rindern, Schweinen und Hühnern, stehen diese doch für die physische und psychische Gewaltausübung des Menschen gegen Nichtmenschen schlechthin. Es ist normal, sie zur Reproduktion zu zwingen, zu manipulieren, feminisiertes Protein zu stehlen, sie umzubringen, zu zerkleinern und unter den Leuten zu verteilen. Diese Tiere sind nicht durch beliebige andere Tiere ersetzbar, erkundigt euch mal beim örtlichen Tierheim.


1 Antwort auf „„menschenfleisch, nein danke!““


  1. 1 menschliches tierfleisch?! « tee Pingback am 14. März 2010 um 16:19 Uhr
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