Archiv der Kategorie '(anti)speziesismus/tierbefreiung'

die anti/sexistische tierbefreiungsbewegung ?!

Auf der meist vergeblichen Suche nach feministischen Veganer_innen und veganen Feminist_innen bin ich einige Male auf den Vorwurf gestoßen, dass die betreffenden Feministinnen lieber unter speziesistischen Feministinnen als unter sexistischen Antispeziesist_innen sind. Mal davon abgesehen, dass ich schockiert war, persönliche Interessen vor das Leiden der über 56 Milliarden Mordopfer* im Jahr zu stellen und mich die Verharmlosung des Speziesismus zutiefst anwidert, frage ich mich immer wieder, inwieweit dieser Vorwurf wirklich stimmt. Im Gegensatz zum konventionellen Tierschutz ist die Tierbefreiungsbewegung in ihrer geistigen Entwicklung sehr fortschrittlich und befasst sich nicht ausschließlich mit NMT**, sondern sehr wohl auch mit anderen sozialen Gruppen, die Diskriminierung, Unterdrückung und Gewalt ausgesetzt sind. Während sich manchmal in der Tierbefreiung (Zeitschrift, die teils auch kontroverse Ansichten veröffentlicht) darüber beschwert wird, dass die Tierbefreiungsbewegung sich als linke Bewegung gibt, finde ich dies weniger empörend, da es eine wünschenswerte und sinnvolle Kombination ist, menschliche und nichtmenschliche Interessen gleichermaßen zu berücksichtigen und Gerechtigkeit für alle einzufordern.

Doch ich weiche etwas vom Thema ab. Wie gesagt, es hat mich sehr beschäftigt, inwieweit die Tierbefreiungsbewegung sexistisch ist. Ich sage damit nicht, dass es keinen Sexismus bei Tierbefreier_Innen gibt, den gibt es hier wie überall sonst, denn auch Tierbefreier_Innen sind Teil der sexistischen Gesellschaft. Jedoch halte ich es für übertrieben, zu behaupten, dass sich damit nicht auseinander gesetzt würde oder dass die Tierbefreiungsbewegung sogar besonders sexistisch sei. Es stimmt, dass es Tierrechtler_Innen gibt, die nach dem Motto „Alles für die Tiere“, auch Diskriminierungen von Menschen in Kauf nehmen, wenn es nur der Verbreitung ihrer Ideen dient. Doch sehe ich diese Menschen eher beim konventionellen Tierschutz angesiedelt. Beobachtet werden kann es beispielsweise daran, dass vor allem Organisationen und Gruppen, die dem konventionellen Tierschutz zugeordnet werden können, durch Sexismus und Menschendiskriminierung auffallen, wie PeTA und die Tierschutzpartei.
Die Tierbefreiung würde jedenfalls sehr sicher Artikel veröffentlichen, die sich kritisch zu Sexismus in der Bewegung äußern, so wie sie es auch bereits taten. Und auf dem diesjährigen Tierbefreiungskongress gab es ebenfalls antisexistische Workshops. („Ansätze der Tierrechts- und Tierbefreiungstheorie. Moralphilosophie, Sozialkonstruktivismus, Linguistik und Feminismus/Gender Studies“ und „(Anti-)Sexismus-Workshop“ und „Definitionsmacht und antisexistische Praxen“)

Es ist nicht die Heiligsprechung, aber immerhin ein Anfang. Und wenn niemand das Thema in die Bewegung trägt, kann es auch nicht diskutiert und aufgeschlüsselt werden. Es braucht viele Stimmen, um etwas zu bewegen und statt sich zurückzuziehen, könnte auch gemeinsam der Schritt nach vorne gewagt werden. Das mag nicht immer einfach sein, aber egal, für welchen Fortschritt in der Gesellschaft wir uns einsetzen, wir alle mussten und müssen die Erfahrung machen, dass es nicht einfach ist – und genau deshalb umso wichtiger.

Ich möchte also alle Antisexist_Innen ermutigen, sich weiter oder neu für NMT zu engagieren und wenn Ihr nichts findet, was Euch zusagt… Stellt doch einfach ein neues Projekt auf die Beine! Es gibt über 56 Milliarden Gründe, dies zu tun.

Wenn nicht wir, wer dann?

* Zahl der Tiere, die jährlich als sog. „Nutztiere“ für den menschlichen Konsum sterben (ohne Meereslebewesen)
** Nichtmenschliche Tiere

„vegane querdenker“ lesenswerter artikel auf rtl.lu

Zufällig wurde ich auf einen Artikel bei RTL.lu aufmerksam gemacht. Jeff Mannes beschäftigt sich mit der sozialen Funktion und Stellung von Querdenker_Innen und überträgt dieses Thema auf den Veganismus, ganz speziell auf den Gründer der Vegan Society Donald Watson.
Ein wirklich lesenswerter Artikel, der das Potential dazu hat, neue Einblicke zu ermögliche, warum Omnis/Veggies der veganen Idee oftmals so ablehnend gegenüberstehen.

Geniale Ideen retten Leben. Doch dafür braucht es meist einen mutigen Menschen, der bereit ist, seine Idee eigenhändig durch ein Sperrfeuer von Hass und Häme zu tragen. Warum ist das so? Warum machen wir Querdenkern das Leben so schwer? Weil wir uns damit selbst das Leben leichter machen. Die Macht der Mehrheit ist so stark, dass wir uns beugen, selbst wenn uns niemand zwingt.

Zum Artikel gehts hier:
„Vegane Querdenker“ von Jeff Mannes

„kz-vergleich“ in tierrechtskreisen

Ein gern genutztes, wenn auch völlig unhaltbares, Argument von Anti-Antispes/Anti-Veganis ist ohne Zweifel der sog. KZ-Vergleich, der in veganen/antispez. Kreisen so häufig verwendet würde. Unhaltbar deshalb, weil zum einen dieser eine Kritikpunkt kein Argument gegen Antispeziesismus oder Veganismus darstellt, sondern lediglich gegen die Verwendung des Vergleiches und weil zum anderen dieser Vergleich in Tierrechtskreisen praktisch keine Verwendung findet. Ich kenne jedenfalls keine ernst zu nehmende Tierbefreiungs-/Tierrechtsgruppe und auch keine Einzelpersonen aus jenen Kreisen, die diesen Vergleich nutzen oder gutheißen. Natürlich weiß ich, dass es bereits vorkam, wie beispielsweise bei PeTA, Helmut Kaplan* und dem Kopf der Tierschutzpartei. Diese beiden Organisationen und die Einzelperson haben allerdings auch nichts mit der ernsthaften Engagement für Tierrechte zu tun, sie sind NICHT antispeziesistisch und NICHT vegan.
Worauf ich eigentlich hinaus wollte: Während die Negativ-Beispiele rauf und runter diskutiert und verpöhnt werden, werden die Positiv-Beispiele tunlichst verschwiegen. So hat sich die TAN (Tierrechts Aktion Nord) bereits 2004 von dem KZ-Vergleich distanziert und eine sehr umfassende Kritik daran formuliert. Das Vegane Linke Forum hat diesen Text ebenfalls seit ich das Forum kenne ganz oben unter ihrem Banner verlinkt und Nandu hat nicht nur den TAN-Text veröffentlicht, sondern auch einen eigenen Text zur Distanzierung formuliert und veröffentlicht.
Es ist mir auch noch nicht untergekommen, dass Einzelpersonen in meiner Gegenwart diesen Vergleich nutzten, was nicht heißen soll, dass es das nicht gibt, aber dass der Vorwand, Tierrechtler_innen seien antisemitisch oder menschenfeindlich wohl eher dazu genutzt wird, um von der eigentlichen Problematik (dem Umgang mit Nichtmenschen) abzulenken.

Die erwähnten Texte können hier nachgelesen werden:
- Auschwitz liegt nicht am Strand von Malibu und auch nicht auf unseren Tellern. Kritische Anmerkungen zum „KZ-Vergleich“
- Nandu und der KZ-Vergleich

Hinweis: Ich werbe nicht für die o.g. Gruppen, sondern zeige nur auf, dass es in Tierrechtskreisen sehr wohl ein Bewusstsein dafür gibt, dass und warum der KZ-Vergleich unangebracht ist. Kritikpunkt an der TAN ist beispielsweise ihre Stellung zu Israel und Kritikpunkt an Nandu ist beispielsweise, dass sie Nichtmenschen durch ihr betont witziges Auftreten teilweise lächerlich machen.

* Helmut Kaplan hat doch tatsächlich fahnentraeger.com ein Interview zum Thema „Holocaust-Vergleich wird immer wichtiger“ gegeben! (Ich verlinke diese Seite nicht. Informieren könnt Ihr Euch ja trotzdem.)

donald watson im interview (2002)

Ich habe im Internet ein wirklich lesenswertes Interview mit dem damals bereits 92-jährigen Donald Watson, Gründer der Vegan Society im Jahre 1944 und „Erfinder“ des Wortes >vegan< , gefunden.
Es ist eines der letzten Dokumente mit Watson selbst, der seiner Zeit weit voraus war und leider am 16. November 2005 starb.

Ich empfehle die englische Version, da diese umfangreicher ist, jedoch leider auch schwerer verständlich.
Interview mit Donald Watson, English Version

Die deutsche Version ist (noch mehr) gekürzt, jedoch für alle gedacht, denen die englische Sprache schwer fällt.
Interview mit Donald Watson, deutsche Version

In Kürze werde ich auf diesem Blog eine Übersetzung der ersten Ausgabe von The Vegan News (1944!) veröffentlichen, die trotz ihres Alters immer noch erstaunlich aktuell geblieben ist. Wissenswert ist außerdem, dass Donald Watson den Begriff >vegan< in Abgrenzung zum (Ovo-)Lacto-Vegetarismus prägte und somit in dieser Ausgabe verstärkt auf die Gewalt durch die Milchindustrie eingeht.

veganis, die tiere halten. heuchelei oder moralische verpflichtung.

Bedeutet die Ablehnung der Tierhaltung, dass Veganer_innen keine Tiere halten sollten? Einige würden diese Frage sicher auf den ersten Blick mit „ja“ beantworten. Jedoch ist dies unter konsequenter Einhaltung des Tierbefreiungsgedankens nicht korrekt. Wenn es die Tierzucht nicht gäbe oder wenn es keine Wildtiere gäbe, denen gegenüber wir zur Hilfeleistung moralisch verpflichtet sind, wäre es sicher korrekt. Aber dem ist nicht so. Durch die Tierzucht wurden viele Tierarten in die Situation versetzt, nie wieder oder nur schwer ohne menschliche Hilfe auskommen zu können. Dies bedeutet, dass die konsequente Weigerung, ein hilfebedürftiges Tier aufzunehmen, dessen (unnötig frühzeitigen) Tod besiegelt. Einzig korrekt ist eine leichte Abwandlung des oben genannten Satzes: Die Ablehnung der Tierzucht und Tiernutzung bedeutet, dass Veganer_innen keine Tiere züchten, nutzen und derartige Praktiken fördern sollten. Es lässt sich also ganz leicht erkennen, dass eine reitende Veganerin gegen die Rechte der Tiere verstößt, da sie ein Pferd aus Eigeninteresse nutzt (ausbeutet), dass eine Veganerin, die ein Pferd aufnimmt und so gut wie möglich versorgt, nicht gegen die Rechte der Tiere verstößt, da sie das Tier nicht nutzt, sondern lediglich hält und versorgt, weil es (nicht mehr) frei leben kann. (Unter der Voraussetzung, dass das Tier keinen unwürdigen Bedingungen ausgesetzt wird.) Werden Tiere selbstlos (ohne Eigeninteresse) versorgt, also weder genutzt noch absichtlich oder fahrlässig gezüchtet, so widerspricht dies nicht dem TB-Gedanken – im Gegenteil. Damit erfüllt die entsprechende Person nur ihre moralische Verpflichtung anderen Spezies gegenüber. Dass diese Pflege den Bedürfnissen der Tiere niemals komplett gerecht werden kann, ist nicht die Schuld der pflegenden Veganerin, sondern die Schuld der Menschen, die Tiere züchten und die Zucht fördern. Erst dadurch wird die Welt mit Tieren überschwemmt, um die sich irgendwer kümmern muss oder die einem vorzeitigen Tod überlassen werden müssen. Hobbyzucht (unter humanen Bedingungen) ist also moralisch genau so verwerflich wie die kommerzielle Zucht von Tieren, obwohl jene Hobbyzüchter_innen immer wieder betonen, wie sehr sie die Tiere lieben und dass sie ihnen ja nie schaden wollen würden. Aber diese Phrase muss sich immer als unwahr herausstellen. Zum einen muss beachtet werden, dass Tierliebe ein normales speziesistisches Phänomen ist und keineswegs mit dem Speziesimus in Konflikt steht. Des weiteren sind die Pflegekapazitäten der Menschen immer begrenzt, das bedeutet, dass es nicht nur enscheidend ist, dass von einer Art nicht zu viele Tiere produziert werden, sondern dass von allen Arten nicht zu viele produziert werden. (Unter moralischen Aspekten sollten natürlich, wie bereits gesagt, gar keine Tiere produziert werden. Auch nicht aus Artenschutzgründen.) Wenn also eine Person beispielsweise Dalmatiner züchtet und mit allen anderen Züchter_innen in Kontakt stünde und diese Gruppe von Züchter_innen niemals mehr als 50 Welpen produzieren würden – was würde das helfen, wenn der Markt bereits mit Millionen Welpen anderer Rassen überschwemmt ist, für die es gar keinen Platz in freundlichen Zuhausen gibt? Genau dies ist nämlich der Fall. Die Menschen produzieren derartig viele Tiere, weil sie egoistisch handeln (Geldinteresse, emotionale Gründe) und das Problem der Tierzucht nicht global betrachten. Obwohl fast alle Menschen wissen, dass die Tierheime überfüllt sind, Millionen von Tieren auf der Straße hocken, verhungern, ein unwürdiges Leben führen oder umgebracht werden, hindert es sie nicht daran, genau in diesem Augenblick, wo diese Tiere ihr schlimmstes Schicksal durchleben müssen, weitere unglückliche Tiere zu produzieren, die entweder eine Abnehmerin finden und damit ein anderes Tier zur Obdachlosigkeit oder dem Tod verurteilen oder sie selbst das Schicksal dieses anderen Tieres ereilt. (Dies ist übrigens ähnlich der Zucht menschlicher Wesen – Wie können moralische Menschen Kinder in die Welt setzten, solange es noch Hunderttausende gibt, die in Heimen ohne ein liebevolles Zuhause groß werden müssen?)
Veganer_innen können und sollten diese Probleme nicht ignorieren. Wer die Tierhaltung so konsequent ablehnt, dass er oder sie sich weigert, einem Tier in Not zu helfen, sollte sich ernsthaft fragen, inwieweit sein oder ihr Veganismus noch dem Wohle der Tiere dient. Es ist nicht nur eine Option, sondern unsere moralische Verpflichtung (eine unter vielen), so viele pflegebedürftige Tiere wie möglich aufzunehmen und zu versorgen. Wer selbst dazu nicht in der Lage ist, sollte zumindest andere vertrauenswürdige Personen und Gruppen (Lebenshöfe) darin unterstützen, Tieren ein Obdach zu geben. Wie kann ein Mensch sich über Euthanasiezahlen von Tierheimen und ausgesetze Tiere beschweren, aber selbst nichts dazu leisten, diesen Tieren zu helfen, obwohl er oder sie es doch könnte?

In diesem Sinne: adoptiert pflegebedürftige Tiere oder unterstützt andere, die es tun. Dies ist kein Zeichen eines heuchlerischen, sondern eines konsequenten Veganismus!

Empfehlenswerte Artikel zum Thema:
Ist jede Kampagne eine Einzel-Thema-Kampange? (single issue campaign)
Die Wichtigkeit von Adoption

greenpeace bricht das schweigen

Nachdem Greenpeace mir noch anfangs des Jahres per Mail mitteilte, dass sie sich in die Essgewohnheiten der Menschen nicht einmischen wöllten, da dies eine persönliche Entscheidung sei (aber „grünen Strom“ nutzen, Müll recyceln irgendwie nicht?!), passierte es nun doch: Die aktuelle Ausgabe des Greenpeace Magazins (Juli-August 2010) steht unter dem großen Banner „Essen spezial“. Meine anfänglichen Erwartungen gingen Richtung CO2-Ausstoß bei (Gemüse- und) Burgern und Wasserverschwendung bei Rind“fleisch“produktion. Ein bisschen wurde diese Erwartung auch erfüllt, doch für Greenpeace-Verhältnisse lehnt sich diese Ausgabe ganz schön weit aus dem Fenster – es wimmelt nur so von vegetarischen Zitaten, die das Schlachten verurteilen, es gibt Bilder von einer panisch blickenden Kuh, der gerade ein Bolzenschussgerät an die Stirn gepresst wird oder von drei Schafen, die auf zwei gehäutete und an den Hinterbeinen aufgehängte Artgenoss_innen blicken.

Obwohl die GP-Politik so lange Zeit das Thema Vegetarismus (Veganismus erst recht) tabuisiert – plötzlich brechen sie das Schweigen. Was ist passiert? Ich kann es natürlich nicht sagen, aber mir fallen ein paar Vermutungen ein. Wie kann ein Umweltmagazin, dass so großen Einfluss hat und immer wieder für seine grandiosen (zumindest von GP-Fan_innen) und ehrlichen Berichte gelobt wird, das für den Menschen zentrale Thema Ernährung so konsequent ausblenden? Außer regionale Fische- und Rindermörder_innen näher zu beleuchten, hatten frühere Ausgaben der GP meist nicht viel zu bieten (auch wenn ich natürlich nicht alle kenne). Außerdem schwieg auch die Homepage den Vegetarismus und Veganismus immer tot, stattdessen haben tierverachtende Kampagnen z. B. gegen Genmilch (aber für Kuhmissbrauch und Kälbermord) schon immer einen großen Raum eingenommen. Wenn es also doch mal um Essen ging (obwohl Tiermilch so unökologisch ist!), wurde dieser „Genuss“ lediglich aus der Position der menschlichen Konsument_in beleuchtet.

Doch diese Ausgabe ist anders! Ist sie das? Nun, ich gebe zu, sie ist nicht so tierverachtend, wie ich es von GP erwartet haben. (Das werden sie in der nächsten Ausgabe garantiert wett machen. Ich freue mich schon auf die Leser_innenbriefe, auch wenn wir leider nur einen kleinen Ausschnitt zu sehen bekommen werden. GP verrät seine vor allem nekrophagen Kund_innen!)
Aber kommen wir endlich zum Inhalt. Schon das Cover drängt Tierfolter_innen in eine unangenehme Gedanken-Ecke „Schlachthof: Wie Tiere fühlen“ und „Vegetarier[sic!]: Grün essen boomt“ können wir in schönen Kapitälchen lesen. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die meisten Leute ab hier schon keine Lust mehr haben, das Heft aufzuschlagen; es erinnert einfach zu stark an die nervigen Hippies in der Fußgängerzone, die einem immer irgendwelche Flyer über „Fleischlos genießen“ oder „Grauen im Schlachthof“ aufschwätzen wollen. Dennoch werden wohl die ein oder anderen einen Blick riskieren – sei es nur, weil sie die GP nun mal abonniert haben und auch was sehen wollen für ihr Geld. Dennoch. Sehr unangenehm. Über Schlachthäuser redet mensch nicht. Auch wenn er_sie sie (ausgiebig) finanziert.
Immerhin 5 der 16 Themen haben direkt mit Veganismus oder zumindest Vegetarismus zu tun. Gleich der erste Artikel „Vegetarier[sic!] Immer mehr Menschen sind fleischlos glücklich“ handelt vom Vegetarismus (achja! ;)), bei dem auch einige Veganer_innen zu Wort kommen. Dann haben die Leute erstmal 42 Seiten lang Ruhe, bevor zwei (äußerst schlechte!) Artikel folgen, einmal „Bodybuilder Tierlieber Weltmeister“ (wir ahnen es, jaa, Alexander Dargatz) und „Veganer Restaurant-Geheimtipp in Leipzig“ (manche ahnen es, jaa, das Zest(1)). Nochmal 10 Seiten Pause, dann kommen wohl die unangenehmsten Artikel dieser Ausgabe: „Schmerz Wie wir Tiere leiden lassen“ und „Tiere essen Aufrüttelnder Bestseller von Jonathan Safran Foer“.

Was gibt es jetzt denn also noch zu meckern? 20 der 80 Seiten beschäftigen sich direkt mit Tierleid und deren Vermeidung (wobei das beim Vegetarismus natürlich nicht korrekt ist), aber Veganer_innen haben wohl immer was zu meckern. So auch ich. Da ich gut erzogen wurde, beginne ich aber mit dem Positiven: Es freut mich, dass GP mal Perspektiven jenseits des „Fleisch“vertilgens beleuchtet hat und dass der Veganismus darunter sogar einen Recht großen Raum einnahm. Dass moralische Beweggründe als Hauptgrund für diesen Lebensstil genannt wurden, freut mich ebenso. Dass blutige Bilder gezeigt werden, freut mich besonders (nicht aus sadistischen Veranlagungen, sondern weil diese Impressionen der Bauernhofidylle gern verschwiegen werden), auch wenn ich gerne eine Auskunft über die Herkunft der Bilder hätte. Es gab sogar auch einen veganen Kochbuchtipp, dafür schieb ich noch ein kleines Lob hinterher.
So, geschafft, nun zum Negativen. Obwohl ständig über Vegetarismus geschwafelt wird, bezweifel ich, dass die Menschen nach dem Lesen der 20 Seiten wirklich schlauer sind, WAS Veggies und Veganis überhaupt essen können. Klar, mit hübschen Bildern von rohem Obst und Gemüse wurden wir wie so oft überschüttet, aber eigentlich ging es hier doch nicht um vegane Rohkost? Das Bild von der salatmampfenden Asketin wurde überhaupt nicht angegriffen, im Gegenteil. Tofu und Seitan werden nur zweimal kurz erwähnt und vegane „Fleisch“- und Milchprodukte überhaupt nicht. Stattdessen ein kurzer Artikel über „Fleisch“ aus Tiermilch, in dem Tofu auch noch deshalb diskreditiert wird, weil es sich eben nicht wie zähe Leiche anfühlt. Hinzu kommt, dass nicht ein einziges Mal erwähnt wird, dass für Veggies auch Tiere gequält und umgebracht werden. Noch schlimmer: Der vegane (!) Besitzer des Zest sagt doch tatsächlich, dass für Tiermilch und Eier keine Tiere umgebracht werden (müssten) und: Eier seien ungeschlüpfte Küken. Ähm, wenn überhaupt sind befruchtete Eier ungeschlüpfte Küken, aber diese kommen in der Eier-Massen“produktion“ so gut wie nicht vor, schließlich werden die männlichen Tiere vergast oder zermust (2) und die weiblichen Tiere können ihre Eier bis heute noch nicht selbst befruchten. Des weiteren passen die Artikel nicht zusammen. Was von den Toleranten sicher als Meinungsvielfalt wahrgenommen wird, sehe ich nur als gängige Strategie von GP: Bloß nicht zu radikal, die Leute werden sich sowieso schon aufregen, wenn „wir“ über Veggies reden. Eine Seite vor veganem Ex-Bodybuilder und Restaurant geht es z. B. um einen englischen Milchbauern, der regional liefert (yeah, das ist schon eher GP-Stil). Immerhin sind sie nicht unehrlich, wenn sie betonen: „So profitieren alle: die Kunden[sic!], die Milchbauern[sic!] und die Umwelt.“ – aber eben nicht die Kühe (das „alle“ ist dann aber doch gelogen.). Oder – noch seltsamer, aber auch gängiger GP-Kurs – es wird sich über das Aussterben von „Nutztier“rassen in Deutschland und anderswo auf der Welt beschwert: Der böse Kapitalismus sorgt dafür, dass ineffiziente Rassen aussterben – dass der böse Kapitalismus Milliarden Tieropfer im Schlachthaus fordert, ist hingegen anscheinend weniger bedenklich. Übrigens sollte wohl allen Menschen klar sein, dass die Ablehnung tierlicher Lebensmittel genau dazu führt: Zum Aussterben der „Nutztiere“. Das einzige Argument, warum dies tragisch sei, ist anscheinend der Verlust der Arten- bzw. konkreter Rassenvielfalt. Nur dass, im Gegensatz zur freien Natur, durch die Vielfalt der „Nutztier“rassen keine Vorteile entstehen, da diese Lebewesen sowieso künstlich erzeugt wurden und keine biologische Funktion erfüllen (3). Weiter fällt auf, dass bis auf ein einziges Mal, niemals von Tierrechten die Rede ist, obwohl die moralischen Beweggründe für Veggies und Veganis in den Vordergrund gestellt wurden. Die einzige Tierrechtlerin (ohne Erklärung, was Tierrechte seien), kommt im letzten Artikel über das Buch „Tiere essen“ vor, in der erwähnt wird, dass sie einem angeschlagenen Küken in einer Tierfabrik die Kehle durchschneidet – kein sehr repräsentatives Bild von Tierrechtler_innen, oder? Tierbefreiung wird natürlich überhaupt nicht erwähnt. Der „Tu-Was-Tipp“ dieser Ausgabe ist übrigens jeden Sonntag Biofleisch zu essen und dafür die restlichen Tage vegetarisch – dann schmeckt’s auch gleich viel besser. Und zu guter letzt – wie könnte es auch anders sein! – gibt es zahllose Beispiele speziesistischer Sprache, z. B. „vier Stück Vieh“, „zukünftiges Schnitzel“ usw.

Um endlich einen Abschluss zu finden: Meiner Meinung nach ist der einzige lesbare Artikel „Schmerz Wie wir Tiere leiden lassen“ bzw. auf Seite 68 heißt er dann „Wie Tiere fühlen“. Kritisch ist hier jedoch, dass eine vollkommen unreflektierte Beweisführung tierlichen Schmerzempfindens durch grausame Tierversuche dargestellt wird, während die eigentliche Problematik, dieses Wissen durch Quälerei zu gewinnen, überhaupt nicht angegriffen wird.

Fazit: GP bleibt eben GP. Wer sich über Tierrechte bzw. Tierbefreiung informieren möchte oder andere darüber informieren möchte, ist dort eben eindeutig an der falschen Adresse. Die aktuelle Ausgabe hat wohl maximal dazu geführt, dass die Akzeptanz von Veggies leicht gestiegen ist, aber nicht, dass es die Leser_innenschaft gelüstet, selbst der Tierquälerei zu entsagen.
(Für Gegenbeweise bin ich natürlich dankbar!)

(1) Wobei das Zest nicht wirklich als (rein) vegan gelten kann, da selbst im Artikel davon die Rede ist, dass sie auf Wunsch den Gästen Tiermilch und Parmesan aushändigen.
(2) In ökologischer „Haltung“ werden die männlichen Tiere auch meist als Babies umgebracht, denn für die „Fleischproduktion“ gibt es spezielle Züchtungen.
(3) Ich weise darauf hin, dass für mich die biologische Funktion eines Tieres nicht entscheidend ist, sie ist es aber für Artenschützer_innen, ohne dabei auf die individuellen Bedürfnisse der Tiere zu achten.

„menschenfleisch, nein danke!“

Unvegane Formen der Genuss- und Lustfeindlichkeit

Immer wieder wird Veganer_innen (v.a. aus einer ganz bestimmten Richtung) Genuss- und Lustfeindlichkeit vorgeworfen. Daran verwunderlich ist eigentlich nur, dass es tausende unvegane Formen der Genuss- und Lustfeindlichkeit gibt, mit diesen wird seltsamer Weise nicht so radikal abgerechnet wie mit der veganen, wobei diese jedenfalls noch die vernünftigste ist.
Zweifelsohne muss es als genussfeindlich gelten, generellen Verzicht auf Menschenfleisch (1) zu üben, ein Verzicht, dem sich fast alle Menschen dieses Planeten zu beugen scheinen. Da Menschen „aus einer ganz bestimmten Richtung“ es dann auch noch ablehnen, Begründungen für dieses Verhalten aus Moral- und Justizsystemen zu ziehen, bliebe die Frage offen, wie sie dieses Verhalten rechtfertigen. Biologie? (Instinkt, die eigene Art zu erhalten, nicht zu fressen?) Gewohnheit? (Von Kindstagen an mit den Teilen anderer Tiere gefüttert und deshalb daran gewöhnt und etwas verwöhnt.) Bla? (Geht Dich nix an, ich mach, was ich will.) Verfügbarkeit? (Ein Zustand, an dem sich zweifellos etwas ändern könne, außerdem gebe ich die Überbevölkerung zu bedenken.) Alles nicht sehr überzeugend. Manche_r mag noch mit religiösen Vorstellungen daher kommen, aber es ist schon seltsam, dass der_die Gött_in die Zerstörung seiner_ihrer gesamten Schöpfung locker sieht, bei der Schöpfung „Mensch“ dann aber eine große Ausnahme macht. Noch dazu hat Religion bei dem angesprochenen Menschenkreis eh keinen guten Stand (außer das Jüd_innentum, nicht aber wegen der religiösen Richtigkeit.). Bliebe noch Geschmack. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass ALLE bzw. die Mehrheit der Menschen keinen kulinarischen Genuss an Menschenfleisch findet. Noch dazu ist es ja wie mit allem anderen Fleisch auch: Die Art der Zubereitung macht’s.
Aber wenden wir uns nun einmal vom Menschenfleischverzicht ab. Wir waren gerade bei Religion. Auch hier gibt es dutzende Beispiele für unvegane Genussfeindlichkeit. Die Speisevorschriften der Jüd_innen und Moslems waren vielleicht noch vor 2000 Jahren einiger Maßen zu rechtfertigen, mittlerweile aber nicht mehr. Aber unabhängig davon, ob mensch die Vorschriften als sinnvoll oder -frei betrachtet, einfach wegen des Glaubens auf bestimmte tierliche Produkte zu verzichten, ist genussfeindlich. Nur dumm, dass es im Allgemeinen weniger gesellschaftstauglich ist, gegen die Religionsfreiheit zu hetzen, bei Gewissensfreiheit (bzgl. Veganer_innen) sieht es da schon anders aus. Da platzt selbst dem tolerantesten Omni schon mal der Kragen. Sämtliche tierlichen Fleischarten vom Teller wegzureduzieren, ist dann eben was anderes, als mal ein, zwei Tierarten zu verschonen.(2) Lustfeindlich sind Religionen ja sowieso.
Eine weitere Form der unveganen Genussfeindlichkeit ist die instincto (und vegetarische) Rohkost. Wenn auch seltener vertreten als z. B. Forderungen nach halal und koscheren Tierprodukten, so lässt sich der BARF-Trend für Menschen doch nicht verschweigen. Angeblich steht Gesundheit hier im Vordergrund, aber wahrscheinlich ist für den_die Durchschnittsbürger_in dennoch unverständlich, warum mensch nicht auch mit einem gut durchgebratenen Steak gesund sein kann. (Dieses Argument lassen sie ja schon bei Veganer_innen nicht gelten, obwohl es ja unbestreitbar ist.) Die Deutschen werden im Allgemeinen sehr aggressiv, wenn sie geistig schon die Bratwurst verschwinden sehen und nur noch Sauerkraut und Kartoffeln übrig bleiben. (Beides übrigens nicht Rohkostgeeignet, also auch weg damit.) Da lässt sich die Fixierung auf’s Veganer_innenmobbing wohl nur durch die Anzahl und Penetranz der Veganer_innen erklären, denn Rohkost müsste auf dem Lustfeindlichkeitsbarometer ganz oben stehen.
Gibt es weitere Formen? Diäten jeglicher Art sind zweifellos genussfeindlich, ebenso die Versessenheit auf Bioprodukte. Generell lässt sich sagen, dass jeglicher Nichtkonsum IRGENDEINES Produktes genussfeindlich ist, da damit die Masse aller zu konsumierenden Güter empfindlich und unnötig dezimiert wird. Die Lustfeindlichkeit wurde weniger berücksichtigt, jedoch reichen sich Lust- und Genussfeindlichkeit ja die Hand und scheinbar bereitet es diversen Menschen unglaubliche Lust, Tiere zu verspeisen, vor allem noch, wenn sie eigenhändig geschossen, erdrosselt, erschlagen, zerlegt worden sind. (Btw, erinnert ihr euch noch an die Gruppe Schlachtkuh bei Yahoo?)
Fazit: Auf der Genussfeindlichkeit des Veganismus wurde lange genug herumgeritten. Es wäre wohl an der Zeit, sich einigen anderen Formen zuzuwenden und wenn das geschehen ist, können wir gern mal darüber reden, wie sich die ständige Verfügbarkeit von Menschenfleisch und Menschenmilch erreichen lässt, damit endlich keine Wünsche mehr offen bleiben.

(1) Achtung, in diesem Text wird speziesistische Sprache verwendet. Grund ist die bessere Lesbarkeit und Verständlichkeit für unvegane Menschen.
(2) Wobei ich mich wirklich frage, was der Aufstand soll. Wenn ich mich als Bären-, Hunde-, und Ringenatterfleischverzichterin ausgebe, wird dies auch nicht als anstößig empfunden (hierzulande). Aber bei Rindern, Schweinen und Hühnern, stehen diese doch für die physische und psychische Gewaltausübung des Menschen gegen Nichtmenschen schlechthin. Es ist normal, sie zur Reproduktion zu zwingen, zu manipulieren, feminisiertes Protein zu stehlen, sie umzubringen, zu zerkleinern und unter den Leuten zu verteilen. Diese Tiere sind nicht durch beliebige andere Tiere ersetzbar, erkundigt euch mal beim örtlichen Tierheim.

briefwechsel mit greenpeace.

Wir alle kennen Greenpeace. Für jene, die deren Einsatz noch nicht als heuchlerisch und tiergewaltverherrlichend erkannt haben, kann der Folgende Briefwechsel vielleicht einen Denkanstoß bieten.

GREENPEACE:

Hallo,
vielen Dank für Deine E-Mail.
Greenpeace kümmert sich um den Erhalt des Planeten als Lebensraum für alle. Die Schwerpunkte unserer Arbeit als Umweltschutzorganisation liegen in der Rettung der letzten Urwälder, im Schutz der Ozeane und des Klimas.
Greenpeace setzt sich für eine moderne, naturnahe Landwirtschaft ein, die sich an den natürlichen Kreisläufen ausrichtet und Lebensmittel ohne Gentechnik und Schadstoffe erzeugt. Greenpeace ist aber nicht grundsätzlich gegen den Verzehr von Fleisch, sondern fordert die Verbraucher auf, weniger Fleisch zu essen, um unsere natürlichen Ressourcen zu schonen. Wer Fleisch isst, sollte das bewusst und selten tun. Greenpeace rät dazu, Bio-Fleisch zu kaufen. Durch die Richtlinien für Haltung und Fütterung kann sichergestellt werden, dass die Tiere nutztiergerecht gehalten und keine Gen-Pflanzen als Futter bekommen.
Dies kann einem Menschen, der sich für Vegetarismus einsetzt, natürlich nicht genug sein. Vegetarier verzichten aber nicht aus umweltpolitischen, sondern aus ethischen Gründen auf Fleisch. Daher ist es eine sehr persönliche Entscheidung sich vegetarisch zu ernähren.
Es gibt aber Organisationen, die sich ganz speziell mit Fleischkonsum und dem Verzicht darauf beschäftigen. Wir schlagen Ihnen deshalb vor, sich mit Ihrer Frage an Organisationen zu wenden, die Experten zu diesem Thema haben:
PETA Deutschland e.V., Dieselstr. 21, 70839 Gerlingen, Tel.: 07156-178-280, Fax:07156-178-2810, E-Mail: info@peta.de, Internet: www.peta.de
Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU), Geschäftsstelle, Blumenstr. 3, 30159 Hannover, Tel.: 0511 – 363 20 50, Fax: 0511 – 363 20 07, E-Mail: info@vegetarierbund.de, Internet: www.vegetarierbund.de
Auch die Ernährungsberater der Verbraucherzentralen können Dir bei diesem Thema weiterhelfen.
Die Arche Warder kämpft für die Erhaltung von gefährdeten Haus- und Nutztierrassen. Sie will diesen alten und in vieler Hinsicht wertvollen Rassen eine dauerhafte Zukunft geben: d.h. sie züchten, bewahren und verbreiten, damit die Tiere von der Roten Liste verschwinden.
Die Tiere der alten Rassen sind insbesondere in ihrem Bestand gefährdet, weil sie keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr haben.
Die Arche ist davon überzeugt, dass man den Tieren wieder einen Marktwert verschaffen muss, wenn man sie erhalten will. Umso mehr die Verbraucher Fleisch von alten Nutztierrassen nachfragen, umso mehr werden sie wieder gezüchtet. Das Risiko des Aussterbens einer Rasse wird dann wieder geringer.
So widersprüchlich es auch klingen mag: jeder, der z.B. ein Kotelett vom Bunten Bentheimer Schwein verzehrt, trägt aktiv zur Erhaltung dieser gefährdeten Rasse bei.
Die Produktqualität von den Tieren der Arche, die das ganze Jahr auf der Weide gehalten werden, ist sehr gut. Und die Haltung der Tiere ist natürlich in keiner Weise mit der der industiellen Fleischtierhaltung zu vergleichen!
http://www.greenpeace4kids.de/themen/tierschutz/hintergruende/artikel/teil_2_der_ganz_legale_wahnsinn_tierquaelerei_als_geschaeft/
Klar, wenn Menschen keine Tiere mehr essen würden, würden weniger Tiere sterben. Es gibt jedoch sehr viele Menschen, die auf Fleisch nicht freiwillig verzichten wollen. Greenpeace ist aber keine Organisation, die Menschen zu irgendetwas zwingen will. Wir meinen, dass jeder Mensch selbst entscheiden muss, wie er oder sie sich ernährt.
Was uns aber auf jeden Fall wichtig ist: Wenn Menschen Tiere halten und töten, um sie zu essen, dann sollten sie so gehalten werden, dass sie keine unnötigen Qualen erleiden müssen. Das heißt: keine Massentierhaltung, keine Massentiertransporte, keine qualvollen Zuchtmethoden und so weiter.
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Team Information und Fördererservice / Public Service Information Team

MEINE ANTWORT:

Hallo Greenpeace,

ehrlich gesagt habe ich gar keine andere Antwort von Euch erwartet. Was solltet Ihr auch anderes schreiben? Ich werde trotzdem versuchen, darauf einzugehen.
Das Interesse, Lebensräume zu schützen (was natürlich wichtig und v.a. nützlich ist) und das Interesse, einzelne Leben zu schützen, steht in keinem Widerspruch. Irgendwie stellt Ihr es so dar, es ist aber nicht wahr. Selbst wenn z.B. eine bestimmte Tierpopulation einen Lebensraum gefährdet, gibt es andere Möglichkeiten, als deren Individuen zu ermorden, um ein Gleichgewicht wiederherzustellen. Bei Menschen würden sie doch auch nicht diese Möglichkeit in Betracht ziehen, oder? Und es lässt sich nicht abstreiten, dass hauptsächlich wir Menschen den Planeten überbevölkern und zerstören.
Es ist auch kein Widerspruch, auch wenn Sie sich auf Ökologie fokussieren, immerhin Tierrechte als Nebenaspekt Ihrer Themen zu erwähnen, so wie Sie es bei Menschenrechten schließlich auch tun. (Aber Sie sind ja auch speziesistisch, deswegen ist es für Sie wohl kein Widerspruch so zu handeln. Dazu fällt mir ein: Würden Sie Menschen auch raten, andere Menschen wenig und selten zu schlagen und zu quälen und umzubringen, als es einfach ganz sein zu lassen? Ökologische Argumente versagen da jedenfalls. Dem Klima tut’s nix Schlimmes, wenn ich einen Menschen quäle. Und eher noch etwas Gutes, wenn ich ihn umbringe.)

Des weiteren gibt es noch ein Problem: Tierhaltung ist immer umweltschädlich. Ich finde es gibt nichts Lächerlicheres, als unvegane Umweltschützer_innen und v.a. Klimaschützer_innen, da die Tierhaltung die Hauptursache der Umweltzerstörung und des Klimawandels (ich sage nur, 51%) ist. Diese Tatsache zu ignorieren und zu verschleiern, nur um eigenes Fehlverhalten nicht hinterfragen zu müssen, stellt für mich Ihre gesamte Integrität total in Frage. Die Ausflucht „weniger Fleisch“, ist eben keine, weil tierliche Lebensmittel IMMER mehr Energie verbrauchen, als produzieren und bei Pflanzen ist es IMMER genau andersrum. Es gibt also nur eine ökologisch verantwortungsvolle Ernährung. Wären wir einige Milliarden Menschen weniger, würde die Tierhaltung die Umwelt vielleicht nicht so stark belasten, trotzdem bliebe sie wie gehabt deutlich schädlicher als Ackerbau für pflanzliche Nahrung.
Übrigens ist es auch lächerlich, Verbraucher_innen dazu aufzufordern, Bio-Tiere zu quälen und zu essen, da gerade aus klimaschützerischer Sicht, Bio-Tiere belastender sind, da sie – Oh Schreck! – länger leben und damit mehr Umweltschäden in ihrem, wenn auch immer noch unwürdig kurzen, Leben produzieren. Des weiteren hat Biohaltung nichts mit „artgerecht“ zu tun, auch wenn Sie und andere Gruppen das gerne so hinstellen. Ich habe einen Biolandhof mit eigenen Augen gesehen, ich weiß wie unwürdig diese Tiere leben. Und ich habe viele Recherchenbilder gesehen. Aber selbst ein Blick in die Medien würde reichen, z.B. ist in Österreich für Biorinder die Anbindehaltung seit 1, 2 Jahren erlaubt. Empfinden Sie es als tierwürdig, so zu leben? (Sind Sie überhaupt empathiefähig oder sehen Sie Tiere nur als Rädchen im ewigen Uhrwerk der Natur, die gefälligst ihre Aufgabe zu erfüllen haben? Zum einen müssten Sie dieses Konzept dann auch auf Menschen anwenden und der Mensch würde von allen Tieren damit am schlechtesten wegkommen und zum anderen müssten Sie dann sowieso gegen jegliche Tierhaltung sein, da domestizierte Tiere in keinem natürlichen Lebensraum „funktionieren“.) Mal gänzlich davon abgesehen, dass es keine artgerechte Haltung geben kann, so wie es keine humane Sklaverei gibt.
Obwohl Sie ja noch ein besseres Wort gefunden haben: „nutztiergerecht“. Das ist natürlich eine interessante Ausrede. Da „Nutz“tiere niemals frei sind, weil sie sonst keine „Nutz“tiere wären, wollen sie mit dem Begriff umgehen, dass Ihnen ein Mensch vorhalten könnte, dass nur die Freiheit den Bedürfnissen eines Tieres gerecht wird, oder wie?
Mich verwundert auch ein bisschen, dass Sie nur von „Fleisch“, nicht aber von anderen tierlichen Lebensmitteln sprechen, z.B. ist Käse und Milch ja NOCH umweltschädlicher als „Fleisch“ ohnehin. (Aber vielleicht liegt es an mir, weil ich in meinem ersten Schreiben nur „Fleisch“ erwähnte, das weiß ich nicht mehr genau.)
Wie oben schon erwähnt, gibt es für die Umwelt keine größere Katastrophe als Tierhaltung. Deswegen halte ich es von Ihnen als anmaßend, zu sagen, dass Veggies (die mich herzlich wenig interessieren, wie gesagt, Käse und Milch sind auch schädlich und Tierhaltung brauchen Veggies ebenso wie Omnis) keine ökologischen Interessen vertreten würden. Es ist eben KEINE persönliche Entscheidung, vegan zu leben oder nicht, da das Leiden und die Zerstörung, die mit der unveganen Lebensweise einhergehen, nicht nur den einzelnen Menschen selbst, sondern alle um ihn herum (zuvorderst sog. „Nutz“tiere) schädigen. Dadurch ist diese Entscheidung zutiefst politisch und von gesellschaftlicher Bedeutung und kein Mensch kann sagen, es sei eine genau so „persönliche“ Entscheidung wie das wählen zwischen roten und blauen Socken (beide Bio-Baumwolle und ohne Gentechnik, versteht sich ;)). Eine ethische und ökologische Lebensweise dadurch ins Lächerliche zu ziehen, ist sicher keine produktive Haltung, schützt Sie aber natürlich vor dem unangenehmen Zwang zur Selbstreflexion.

Die Organisationen, die Sie mir empfohlen haben, sind in etwa so schrecklich wie Ihre eigene, wenn auch auf einer anderen Ebene. PeTA ist mehr als bekannt für sexistische, homo- und transphobe Kampagnen, für unsensible Kommentare, für heuchlerische Werbung intellektuell überforderter A- und B-Promis, die selbst überhaupt kein Interesse an den Themen haben usw. usf.
Der Vegetarier-Bund mag da etwas besser sein, jedoch lässt allein sein Name sehr zu wünschen übrig, suggeriert er den Menschen doch, Vegetarismus sei ein ausreichender Schritt, Tierrechte zu achten. Vegetarismus befreit die Tiere nicht, er will es auch nicht, er schützt sie ja nicht einmal vor der Schlachtung.

Ernährungsberater_innen könnten mit aller Wahrscheinlichkeit nicht helfen, da es mir nicht darum geht, mich selbst zu veganisieren (warum sollte ich dafür Greenpeace anschreiben?), sondern ein Bewusstsein bei anderen Menschen zu wecken. Ich bin bereits Veganerin, sonst würde ich mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

Und nun zur Arche Warder: Sie wollen wohl vor allem ein ansehnliches Geschäft auf Kosten anderer. Aber natürlich spielt auch etwas privater Sadismus mithinein, denn es gibt sicher gewinnbringendere Geschäfte als irgendwelche Tierrassen, bei denen es sowieso gut wäre, sie würden nicht mehr die Erde bevölkern. Was wäre so schlimm daran, wenn die Tiere nicht nur von der Roten Liste, sondern gänzlich verschwänden? Es gibt keinen Grund, um die Rasse zu trauern, nur Gründe, um das Individuum zu betrauern, dass wegen Ihren selbstsüchtigen Interessen nach wenigen Monaten in den gewaltsamen Tod geschickt wird. Ein „Rasseschutzprogramm“, welches nur darauf ausgerichtet ist, Tiere zum Ermorden zu produzieren, klingt nicht wirklich sinnvoll, oder? Wen schützen Sie damit? Allein Ihre Interessen am Tierkonsum, nehme ich an.
Ist es Ihnen nicht unangenehm, sich so verrenken zu müssen? Auf der verzweifelten Suche, nach einem irgendwie zu rechtfertigenden Tierkonsum, greifen Sie auf „Artenschutzprojekte“ zurück, die nicht einmal einem Biotop zu Gute kommen, denn wie gesagt: Es sind und bleiben domestizierte Tiere, die der Umwelt keinerlei Nutzen, sondern nur Schäden bringen. Wenn Sie schon nicht das Leiden der Tiere anerkennen, warum dann nicht wenigstens das?

So widersprüchlich es klingen mag: Jeder, der eine fruchtbare Frau vergewaltigt, trägt aktiv zur Erhaltung der Menschheit bei. WOW, was für eine Logik! Möchten Sie das nicht auch in Ihre Flyer aufnehmen?

Dass Sie die Menschen zu nichts zwingen wollen, ist mir klar. Wenn Sie Tierrechte nicht verschweigen, sondern erwähnen würden, würden Sie aber auch ihre Leser_innen zu nichts zwingen. Im Gegenteil. Sie würden Sie in die Lage versetzen, über ausreichend Ausklärung zu verfügen, über erstmal in die Situation zu kommen, wo Sie Einsicht und Überblick über Tierhaltung gewinnen. Tiere einfach als Ressource wie jede andere zu betrachten, ist bestimmt nicht die Ausgangslage, die einen Menschen dazu befähigt, mitfühlend, aber auch unter Einbeziehung rationaler Gründe zu entscheiden. Und wirklich ALLES spricht für den Veganismus.

Dass Sie das so geflissentlich verschweigen, liegt wohl einzig und allein daran, dass Sie Ihre treuen Kund_innen nicht vergraulen wollen, die zwar gerne Mal Gutmensch spielen und Ihnen eine Spende schicken und Ökostrom beziehen, die aber nicht auf des „Luxus“ verzichten wollen, 51% zum Klimawandel beizutragen.
Meinen Sie übrigens auch, dass alle selbst entscheiden können, wie inhuman Sie andere Menschen behandeln? Wenn nicht, woran machen Sie den Unterschied zwischen Menschen und anderen Tieren fest, und was soll an diesem Unterschied moralisch relevant sein?

Das, was Ihnen zuletzt wichtig ist, ist weder aufrichtig noch an sich richtig. Natürlich ist Massentierhaltung nicht so ästhetisch wie die meisten Biohöfe. Trotzdem gibt es bei beiden die größte Gewalttat, die keine Steigerung kennt: Der Mord im Schlachthof. Eine Gewalttat, die weder Rechtfertigung noch Wiedergutmachung kennt. Es mag für das einzelne Tier schon einen gewissen Unterschied machen, ob es vor dem gewaltsamen Tod mehr oder weniger gequält wird. Aber das macht es für Menschen, die vor einem Mord, mehr oder weniger gequält werden auch. Trotzdem sind wir uns doch beide darüber einig, dass Mord (für Sie zumindestens am Menschen) generell verwerflich ist, oder?

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Übrigens ist es auch heuchlerisch von Ihnen, sich als „gewaltfrei“ zu bezeichnen, wo Sie sich doch aktiv für Gewalt aussprechen.

MfG
XXX

„stop vegan bashing“ (gary l. francione)

Hach, er bringt’s wieder einmal auf den Punkt!

Resolution #2 for 2010: Stop vegan bashing!

Dear Colleagues:

Speciesism occurs when we accord a different weight to a similar interest on the basis of species.

An example of speciesism is vegan bashing. We all agree that human slavery—however “humane”—is morally unjustifiable. But animal slavery—if “humane”—is defended by some so-called animal advocates who characterize veganism as “absolutist” or “purist” or “fundamentalist.” This is speciesist. Nonhuman animals have an interest in not being treated as human resources just as humans have an interest in not being treated as the resources of other humans.

I am an absolutist about human slavery. Humane slavery—however “humane”—is not morally justifiable.

I am an absolutist about fundamental human rights. Torture, rape, child molestation, etc.—however “humane”—are not morally justifiable.

I am absolutist about racism, sexism, and heterosexism: I think that all of these forms of discrimination are unacceptable and that we should not promote “humane” versions of discrimination.

I am an absolutist about animal exploitation, which cannot be justified even if “humane” (which it is not in any event because of the property status of animals).

To be vegan is not to be “absolutist” in any way that is different from being an “absolutist” with respect to the fundamental rights of humans.

To maintain otherwise—to engage in vegan bashing—is merely an example of speciesism.

THE WORLD IS VEGAN! If you want it.

Gary L. Francione
©2009 Gary L. Francione

bunt gemischter „newsticker“

Bei solch einer Masse an Informationen, die unsere Welt überfluten, fällt es schwer den Überblick zu behalten. Dennoch ist es immer wieder kurios – und teilweise auch erschreckend, was alles „so abgeht“ in den Köpfen ewiger Anthropozentrist_innen und welche unglaublichen Taten daraus resultieren. Beruhend auf dem Newsticker der österreichischen Tierrechtspartei (die diesen Namen zu Unrecht trägt), habe ich einige besonders interessante Meldungen zusammengesucht.

01.12.07:
Flughafenmitarbeiter in Brüssel hätten 5000 Hühnerküken mit CO2 töten sollen, weil das Flugzeug, mit dem sie nach Äthiopien transportiert werden sollten, überladen war und ausgerechnet die lebenden Tiere als am leichtesten entbehrlicher Ballast entsorgt wurden.
Statt aber die 5000 Vogelkinder umzubringen, haben sie die Flughafenarbeiter in Parks ausgesetzt. Spaziergänger sammelten die Jungtiere, die eigentlich noch des Schutzes und der Führung durch die Mutter bedürfen, dann ein und lieferten sie in Kartons in Tierheimen ab.

7.04.08:
Auch vom Jagdgesetz geschützte Tiere waren als Köder ausgelegt
Leute, die ein bisschen Erholung im Grünen suchen, bekamen ein Bild des Grauens zu Gesicht.
Ein riesiger Haufen getöteter Tiere soll weitere Tiere anlocken, diese können dann vom Hochsitz, der sich in unmittelbarer Nähe befindet, bequem erschossen werden. Diese sogenannten Luderplätze findet man immer wieder, selten allerdings in dieser Größenordnung. Eingeweide, Knochen, Tierleichen, abgetrennte Rehköpfe und Tierfüße sind hier auf einen großen Haufen zusammen geschmissen. Teilweise findet man in der Nähe solcher Plätze auch noch ausgelegte Giftköder.
Bereits im Februar dieses Jahres hat der „Verein gegen Tierfabriken“ (VGT) eine Anzeige gegen die Verantwortlichen bei der zuständigen Behörde eingebracht.
Damals waren auch zwei geschützte Greifvögel als Köder ausgelegt. Diese Anzeige scheint aber in keinster Weise ernst genommen worden zu sein. Gut ein Monat später ist der Luderplatz zu einem noch größeren Leichenschauplatz angewachsen und wieder sind Tiere, die nicht gejagt werden dürfen, darunter. Diesmal ein Mäusebussard (darf das ganze Jahr nicht gejagt werden) und ein Dachs (hat in Niederösterreich von Februar bis Mai Schonzeit). Auch die Überreste eines wunderschön gefiederten Wildtruthahnes waren zu erkennen. Wildtruthähne sind in Amerika heimisch und wurden von dort nach Europa als „Nutztiere“ importiert. Eine ganz kleine Population ist mittlerweile im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland heimisch geworden. So ist das auch das einzige Bundesland, in dem diese Vögel im April und in den Wintermonaten gejagt werden dürfen. In einem in der Nähe befindlichen Tierpark werden Wildtruthähne zur Schau gestellt. Ob es hier einen Zusammenhang gibt, wird es zu klären geben.
Der VGT hat auch eine Anzeige wegen Übertretung der NÖ Tiermaterialienverwertung eingebracht. Vor einigen Jahren wurde eine Strafe wegen eben dieses Gesetzes gegen den VGT ausgesprochen, weil wir damals tote Hühner einer Legebatterie bei einer Demonstration in Wien ausgelegt hatten. Den Leuten sollte vor Augen geführt werden, was diese Tiere für unseren Eierkonsum erleiden müssen. Wir wurden damals schuldig gesprochen. Bleibt abzuwarten, ob bei praktizierenden JägerInnen mit dem gleichen Maßstab gemessen wird…

09.04.08:
In der letzten Woche hat (wie auch in unseren jüngsten „Main News“ berichtet) die umstrittene Robbenjagd in Kanada wieder begonnen. 275.000 Robben sind zur Tötung freigegeben worden. Tierrechtsorganisationen konnten bereits in den ersten Tagen erneut etliche Grausamkeiten und Gesetzesbrüche beim Erschlagen der Jungrobben filmisch dokumentieren. Nachdem ein Schiff der TierrechtlerInnen sich weigerte den Schiffen der Robbenjäger Platz zu machen, wurde es von einem Eisbrecher der kanadischen Küstenwache gerammt. Der Kapitän des Tierrechtsschiffes Alex Cornelissen kommentierte die Attacke mit den Worten: „Unglaublich. Es ist, als hätte die Küstenwache Robbenschützern den Krieg erklärt.“

28.04.08
Anbindehaltungserlaubnis für „Biohaltung“ von reaktionären „Bioverbänden“ erkämpft
Am 21. April meldete Bio Austria in ihrer Verbandszeitschrift, dass sie für BiobäuerInnen die Erlaubnis auf Anbindehaltung „erkämpft“ hätten. Gemäß der EU-Bio-Verordnung 2092/91 sind Rinder ab 2011 im Laufstall zu halten. Bio Austria habe aber für Österreich erreicht, dass Betriebe mit maximal 35 Großvieheinheiten, also praktisch alle, Anbindehaltung weiter betreiben dürfen, wenn ein Tiergerechtheitsindex von mindestens 24 Punkten erreicht wird. Auch die Vorschrift, wonach Neubauten nur als Laufstall errichtet werden dürfen, wird aus dem Lebensmittelbuch gestrichen, so der Artikel. Der Bioverband „Bio Austria“ hat sich damit als absolut reaktionär im Hinblick auf Tierschutz und frei von jeglichem Verständnis für die elementarsten Bedürfnisse (wie zB. das bei Kühen stark ausgeprägte Bewegungsbedürfnis) der landwirtschaftlichen Nutztiere entlarvt.

05.05.08
USA verhängen Lachsfangverbot
Erstmals seit Beginn der kommerziellen Fischerei vor 160 Jahren haben US-amerikanische Behörden den Lachsfang an der US-Westküste verboten. Die Bestände seien zu stark zurückgegangen, warnen MeeresbiologInnen. Der genaue Grund für die massive Verringerung ist unklar, die Umweltverschmutzung durch den Menschen dürfte aber eine wesentliche Rolle dabei spielen.

09.05.08
New York verbietet elektrische Tötung von Pelztieren
Vor allem Füchse werden auf Pelzfarmen üblicherweise durch einen minutenlangen Stromstoss zwischen Elektroden in Mund und After getötet, um den Pelz nicht zu beschädigen. Diese grausame Tötungsart wurde jetzt am 1. Mai im gesamten US-Bundesstaat New York verboten. Die Pelzfarmervereinigung bekämpfte das Verbot vehement. Die Auswirkungen des mittlerweile aber dennoch in Kraft getretenen Verbots auf die Pelzfarmen im Staat New York sind noch nicht abzusehen.

10.05.08
Vortrag zu Tierrechten und Feminismus an der BOKU in Wien
Am 7. Mai organisierte die HochschülerInnenschaft der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) einen Vortrag der Ökofeministin und Tierrechtlerin Dr. Susanna Harringer zum Thema Tierrechte und Feminismus, zu dem sich ca. 50 HörerInnen einfanden.
Susanna Harringer stellte Parallelen von Sexismus und „Speziesismus“ [Anm.: warum auch immer das in Tüttelchen steht, auch noch von einer „Tierrechts“partei – ha! Das war gerechtfertigt.], zwischen der Ausbeutung und Unterdrückung von Menschen und der von Tieren dar. In einer regen Diskussion konnten anschließend die vorgestellten Thesen und Inhalte debattiert werden. Ein kostenloses veganes Buffet und ein Tierrechtsinfostand, der auch die neuesten Publikationen aus dem Bereich der Tierrechtsphilosophie vorstellte, rundeten die sehr gelungene Veranstaltung ab.

03.08.2008
Tierexperimentator doch nicht Chef der neuen österreichischen Elite-Uni in Gugging – öffentlicher Druck und Entsetzen bewirkten Rückzieher des „Berufskatzenquälers“
Eigentlich war schon alles ausgemacht: Der Tierexperimentator Tobias Bonhoeffer sollte erster Präsident der neuen Elite-Uni I.S.T. Austria in Maria Gugging (Klosterneuburg) werden. Doch dann wurde intensiv seine Arbeit an aufgebohrten Schädeldecken von Katzen, Mäusen und Frettchen diskutiert. Am 21.Juni 2008 sagte Bonhoeffer, offensichtlich verunsichert angesichts der öffentlichen Debatte, ab. Er wird nicht nach Gugging übersiedeln.

10.08.08
Globale Nahrungskrise durch massenhafte Tierproduktion
Effekt von Tierproduktion 7mal stärker als von „Biosprit“!
Die globale Nahrungsmittelkrise wird weltweit ein immer brennenderes Thema. Als eine Hauptursache wird in den Medien – berechtigterweise – die zunehmende Verwendung von Pflanzen für „Biosprit“ genannt. Der aktuelle FAO Report „Crop Prospects and Food Situation“ zeigt: 100 Millionen Tonnen Getreide werden weltweit für „Biosprit“ verwendet, 754 Millionen Tonnen hingegen für Tierfutter. Die globale Fleischproduktion verschwendet sieben Mal soviel Getreide wie die globale Produktion von sogenannten „Bio-Treibstoffen“!
Ob Biosprit oder Benzin, ob Flugzeuge oder PKWs – der gesamte Verkehrssektor wird laut einer weiteren FAO-Studie im Ausstoß treibhauswirksamer Gase von der Tierindustrie übertroffen. Mit 18% treibhauswirksamer Emissionen [Anm.: nach neueren Berechnungen liegt der Prozentsatz sogar bei 51!!] liegt die Produktion von tierlichen Nahrungsmitteln (Fleisch-, Ei- und Milchprodukte) auf Platz 1 (!) der Verursacher für Klimawandel!

14.09.08
Chile beschließt riesiges Walschutzgebiet an seiner Küste
Chile macht seine mehr als 5000 Kilometer lange Küste zu einem durchgehenden Schutzgebiet für Wale. Der chilenische Senat votierte einstimmig für eine entsprechende Gesetzesvorlage, die Präsidentin Michelle Bachelet eingereicht hatte. Es wird erwartet, dass Bachelet das Gesetz in den kommenden Tagen unterzeichnet. Chile jagt bereits seit 1970 (!) keine Wale mehr. Mit ihrer Entscheidung wolle sie dennoch ein deutliches Zeichen setzen, erklärte Bachelet, die offenbar über den unsympathischen Trend einzelner Staaten Richtung mehr Walfang beunruhigt ist.

12.10.08
Trotz bevorstehendem Legebatterieverbot Käfige noch immer mit Hühnern aufgefüllt
Trotz Verbot ab 2009 werden weiterhin Legebatterien mit Hühnern
aufgefüllt. Den Tieren droht ein grausames Schicksal.
Das Verbot gilt ab 1. Jänner 2009. Ab diesem Tag dürfen Legehennen
nicht mehr in Käfigen gehalten werden. Trotz allem füllen einzelne
Geflügelbauern ihre Legebatterien nach wie vor mit Zehntausenden
Hühnern auf. Da die Amtstierärzte das neue Gesetz streng kontrollieren
müssen, droht eine Massentötung der eingesperrten Legehennen. Die
Bauern wurden bereits gewarnt.
„Es muss damit gerechnet werden, dass die Tiere entweder verwahrt,
verwertet – und wenn das ebenfalls nicht möglich ist – schmerzfrei
getötet und entsorgt werden“, heißt es in einem Brief einer
Bezirkshauptmannschaft aus NÖ an einen Geflügelbauern.
Was das heißt, versucht ein Amtstierarzt im KURIER-Gespräch zu
konkretisieren: „Wenn eine Verwertung der eingesperrten Hühner nicht
möglich ist, werden sie mit Kohlendioxid in eigenen Containern
erstickt“.

Oliver Bernhauser, Geschäftsführer des Geflügelwirtschaftsverbandes:
„So mancher Betrieb will das neue Gesetz nicht wahrhaben. Zum
Leidwesen jener Bauern, die bereits 100 Millionen Euro in neue
Hühnerstallungen investiert haben.“
Theresia Meier, Vizepräsidentin der nö. Landwirtschaftskammer, steht
zum neuen Gesetz: „Wir haben darauf aufmerksam gemacht, dass bei
Nichteinhaltung des Gesetzes die Konsequenzen selbst zu tragen sind.“
Wobei Meier anmerkt, dass nach dem 1. Jänner 2009 nach wie vor „Käfig-
Eier“ importiert werden dürfen: „Jetzt liegt es am Konsumenten, dem
Handel und der Gastronomie zu beweisen, dass sie Qualitätsprodukte aus
Österreich vorziehen.“
Einer, der noch Zehntausende Junghennen eingestellt haben soll, ist
Geflügelzüchter Karl Latschenberger [ein „alter Bekannter“ der Tierschutz-
bewegung und einer der fanatischsten Verfechter der Legebatterien] aus
Biberbach im Bezirk Amstetten.
Der reitet im KURIER-Gespräch heftige Attacken gegen das neue Gesetz:
„Ein Teil meiner Hühner läuft bereits im Freien oder in Volieren
herum. Die Konsequenz ist, dass sich pro Tag durchschnittlich zehn
Tiere gegenseitig erdrücken. Zudem erkranken die Hühner viel öfter,
weil sie ihren eigenen Kot und den aufgewirbelten Staub fressen.“
Dass in seinem Betrieb trotz allem noch Zigtausende Legehennen in
Käfigen gehalten werden, sei auf Lieferverzögerungen beim Bau neuer
Stallungen zurückzuführen. Latschenberger: „Greift die Behörde ab 1.
Jänner 2009 hart durch, werde ich mein Unternehmen mit 36 Mitarbeitern
zusperren müssen“.
Q: KURIER Artikel vom 13.10.2008

14.01.09
„Rette ein rotes, iss ein graues“ – umstrittene Eichhörnchen-Artenschutzkampagne in Großbritannien
Diese graue, aus Nordamerika stammende Eichhörnchenart
wird im Gegensatz zu den roten gejagt und gegessen
Gourmet-Trend von der Insel: Um die beliebten roten Eichhörnchen zu schützen werden in Großbritannien dessen graue Artverwandte gejagt – und gegessen!
Denkt man an die britische Küche, so kommen einem Roast Beef, Braten und für unseren Geschmack ungewöhnliche Saucen-Kombinationen – Stichwort: Minzsauce – in den Sinn. Doch seit kurzer Zeit erobert laut New York Times eine neue „Eigenart“ die englischen Esstische: das Eichhörnchen.
Eichhörnchen tauchen zwar immer wieder in der britischen Koch-Geschichte auf, sie schafften es jedoch nie, zu einem Lieblingsessen des Insel-Volks zu werden.
Zwischen Gewissenskonflikt und kulinarischem Genuss
Neuerdings ist das kleine, pelzige Tierchen zu einem Verkaufsschlager geworden. Grund dafür seien vor allem Neugier und die Neuheit des „Produkts“, so Barry Shaw, Fleischer und Eichhörnchen-Anbieter in Liverpool.
Der Gewissenskonflikt ist beim Verzehr von Eichhörnchen vorprogrammiert. Die niedliche, kleine Gestalt und die großen Augen erinnern vielmehr an ein Kuscheltier als an das nächste Mittagessen. Viele suchen sich beim Essen von Eichhörnchen aber einen gemeinnützigen Vorwand: Man trägt zum Wohle der Umwelt bei und kann gleichzeitig ein außergewöhnliches, schmackhaftes Erlebnis genießen.
„Rette ein rotes, iss ein graues!“
Die roten, niedlichen Waldbewohner gilt es zu schützen – sie bleiben vom kulinarischen Eichhörnchen-Trend verschont.In Großbritannien müssen die grauen Eichhörnchen – die aus Amerika „eingewandert“ sind – systematisch gejagt werden. Ihre Bestände werden von Jägern und Wildhütern kontrolliert bzw. reduziert, da sie eine Bedrohung für die in England heimischen roten Artverwandten darstellen. Die grauen Eichhörnchen sind nicht nur zahlenmäßig überlegen, sie übertragen auch eine Krankheit die den roten zur Gefahr werden kann, sie selber und Menschen aber nicht angreift.
2006 startete in England die Kampagne „Save Our Squirrels“ („Rettet unsere Eichhörnchen“). Seither wird versucht, der Problematik mit der eindeutigen Parole „Save a red, eat a grey!“ („Rette ein rotes, iss ein graues!“) Herr zu werden – der Markt für Eichhörnchen-Fleisch war geschaffen.
Eichhörnchen – fettarm, köstlich und abwechslungsreich
Binnen kürzester Zeit kamen britische Gourmets, Restaurants und Köche auf den Geschmack – Eichhörnchen wurde gegessen, angeboten und gekocht. […]
Q: Kurier, 11.01.2009

25.06.09
Frecher Fuchs klaut über 120 Schuhe
In einem Fuchsbau im rheinland-pfälzischen Föhren (Deutschland) entdeckte ein Förster über 120 geklaute Schuhe (darunter zahlreiche vollständige Schuhpaare), welche ebendort von einem Fuchs „liebevoll“ versteckt und gehortet wurden.
Meister Reineke hatte alle erdenklichen Fußbekleidungen aus Gärten, Hauseingängen und von Terrassen im Ort stibitzt und in seinem Domizil, dem Fuchsbau, versteckt.
Das Tier wird seinen Grund gehabt haben. Vielleicht habe er irgendetwas mit der Abwrackprämie falsch verstanden, kommentierte die „Welt online“.
Der Förster machte den bizarren Fund bekannt – mittlerweile wurde das weitgehend gut erhaltene Schuhwerk nun wieder an seine Besitzer verteilt. Etwa ein Drittel der anfang Juni wiederentdeckten Schuhe sei inzwischen abgeholt worden, teilte Förster Rolf Willerscheidt mit.

02.07.09
Konflikt um EU-Gesetz: Reiten [und alle so „yeah“…] statt zubereiten – Pferde essen verboten
Eine neue Regelung der europäischen Union stößt bei einigen PferdebesitzerInnen in Großbritannien auf Widerstand: Inhaber von „Hauspferden“ sollen laut dieser EU-Regeln ein Abkommen unterschreiben, dass sie ihre Vierbeiner nicht verspeisen. Bei Nichtbeachtung drohen bis zu zwei Jahre Haft.

29.20.09
Streunertiere anlässlich Fußball-EM 2012 brutal verfolgt und wie Müll entsorgt
2012 findet in der Ukraine die Fußball Europameisterschaft statt. Das Land will sich bei dieser Gelegenheit von seiner besten Seite zeigen – beim „großen Reinemachen“ wurden jetzt aber Maßnahmen bekannt, die sicher nicht dazu angetan sind, zum Renomé des Landes positiv beizutragen.
Wenn in drei Jahren in der Ukraine und in Polen die EM stattfinden wird, sollen die ukrainischen Städte in Hochglanz erstrahlen. Deshalb lässt die ukrainische Verwaltung jährlich mindestens 50.000 Hunde oder Katzen töten, berichten vor Ort engagierte Tierschutzvereine.